Welche «sehr guten Gründe» liegen vor?
AUSGABE VOM 5. 8.: SCHWEIZ WIRD VERBAUT, GEMEINDE LEHNT NEUE FIRMEN AB
Leserbrief im Sonntag vom 19. August 2012. S. 16


Mit grosser Freude konnte ich lesen, dass die Gemeinde Oensingen als erste Gemeinde die Ansiedlung neuer Firmen ablehnt, die zu viel Land beanspruchen. Gemäss Gemeindepräsident Markus Flury muss eine Firma zukünftig sehr gute Gründe vorweisen, wenn sie mehr als 150 Quadratmeter Fläche pro Arbeitsplatz braucht. Den Medien konnte man entnehmen, dass sich die Firma Swiss Nutrivalor – eine Tochtergesellschaft der Centravo – rund zwei Hektaren
Land (20 000 m2) gesichert hat und darauf nun den Betrieb einer Anlage zur Weiterverarbeitung von Schlacht- und Zerlegereiprodukten plant. Gemäss Nutrivalor wird die Grundfläche des Gebäudes zirka 5000 m2 betragen, und es werden etwa 50 Angestellte beschäftigt. Geht man von der Gesamtfläche des
Grundstückes aus, kommt man auf 400 m2 Fläche pro Arbeitsplatz.
Welche «sehr guten Gründe» hier vorliegen sollen, ist bis dato offen. Die Nachbarparzelle (rund 65 000 m2) hat sich die Firma Bell (die an der Centravo beteiligt ist) gesichert, die darauf den Betrieb einer Schweinefleischproduktion plant. Genügt diese Fläche Bell überhaupt? Die Niederbipper haben sich erfolgreich gegen die Ansiedlung der Centravo und der Bell gewehrt. Der Landbedarf der Bell lag damals bei 150 000 m2. In Oensingen werden die Firmen
mit offenen Armen empfangen.
Gemäss Markus Flury ertrinkt Oensingen im Verkehr. Das kann ich als betroffene Einwohnerin nur bestätigen. Trotzdem unterstützt man die Ansiedlung von Firmen, die noch mehr Verkehr generieren. Gemäss Entwicklungsstrategie setzt sich die Gemeinde für den Erhalt und Ausbau von hochwertigen Arbeitsplätzen ein. Im Fall Nutrivalor und Bell soll bestes Ackerland geopfert werden, um zusätzlich mehrheitlich niederschwellige Arbeitsplätze zu schaffen.
EVELYNE KUNZ, OENSINGEN